Trainerin

 


Dagmar und Bine

Ich gehöre zu den tierbesessenen Menschen. Anders können sich auch meine Eltern das Phänomen nicht erklären.
Seit dem Krabbelalter war ich dort zu finden wo sich Hunde, Katzen oder Pferde aufhielten. Auch vor Insekten, Mäusen und Vögeln machte mein Interesse nicht halt.
Im zarten Alter von 10 Jahren hatte ich gleichzeitig 5 verschiedene Pflegehunde, die ansonsten, auf dem Dorf nicht unüblich, im Zwinger dahin vegetierten. Ich war zu dieser Zeit wirklich ausgesprochen viel an der frischen Luft. Im selben Alter entdeckte ich meine Leidenschaft für Pferde und meine Abneigung gegen Sporen, Gerten und Kandaren.
Im Alter von 16 Jahren trat ich dem örtlichen Tierschutzverein bei und meine Lehrzeit begann. Mit Hunden und Katzen jeden Alters, jeder erdenklichen Rasse und allen vorstellbaren Verhaltensstörungen war ich tagtäglich unterwegs. Es gab keine Anleitung, Aufsicht oder Hilfestellung für mich. Es gab ja kaum andere Jugendliche die dazu bereit gewesen wären. In kleinen örtlichen Vereinen reißen sich die Menschen nicht gerade darum Kot einzusammeln und gestresste, angstaggressive Hunde auszuführen. Mir kommt es heute viel gefährlicher vor, als damals. Ich zog jeden Tag alleine los und war oft stundenlang allein in der Zwingeranlage. Geschehen ist mir nie etwas und ich lernte eine wichtige Lektion: Respekt vor unseren Mitgeschöpfen.
Als oft einzige Bezugsperson war ich häufig gezwungen meine Freunde zum Tierarzt zu bringen und sie auf dem letzten Weg zu begleiten. Für eine pubertierende 16jährige keine leichte Aufgabe. Ich bin daran gewachsen.

Im Alter von 22 Jahren habe ich den Vorsitz im Tierschutzverein übernommen und war gleichzeitig kommissarisch als 2. Vorsitzende und Schriftführerin tätig. Es mangelte wie immer an Aktiven. Genau 2 Jahre habe ich diesen Stress ausgehalten, dann war ich von alldem wiederkehrenden Leid ausgebrannt.

1994 erwarb ich endlich mein eigenes Pferd. Ein 8 Monate altes Quarterhorse-Kind. Ab sofort verbrachte ich meine komplette Freizeit mit meinem Pferd. Entgegen aller Ratschläge gingen wir unendlich viel gemeinsam spazieren und Chester dankte es mir mit einer anhänglichen Affenliebe.
Wenn man schon soviel draußen ist, rückt der Gedanke an einen Hund, der uns auf den Streifzügen begleiten kann, unweigerlich näher.
1996 holte ich Lena im Alter von 9 Wochen zu mir nach Hause (mehr über Lena erfahren Sie auf der Seite: www.dagmarswelt.de ). Dieser Hund stellte mich recht schnell vor einige Probleme. Die Hunde im Tierschutzverein waren verängstigt, verwirrt und bindungslos. Sie haben sich recht einfach und besonders schnell angeschlossen. Lena war anders. Natürliche habe ich Dutzende Ratschläge von allen möglichen Leuten erhalten und alle hatten eines gemeinsam: Strafe, Druck, Gewalt. Unendlich viel habe ich ausprobiert und ich war mir nicht im klaren darüber, dass ich an meinem Hund nichts anderes vornehme als Tierversuche. Nur geholfen hat es uns NICHT !
Fast gleichzeitig mit dem ersten Internetzugang 1997 fasste ich den Entschluss dass es auch anders gehen muss. Ich las alles was mir zwischen die Finger geriet, ich entdeckte eine neue Leidenschaft: Die Anschaffung von Hundebüchern :).

Die ersten Seminare waren nicht mehr weit entfernt und bei eben einem solchen hatte ich (auch wenn es sich kitschig anhört) den total Kick: ES GEHT ANDERS IN DER AUSBILDUNG VON TIEREN. Ab sofort gab es kein halten mehr. Ich konnte auf Strafeinwirkungen bei meinem Hund verzichten. 
Seminare (bei Trainerinnen und Trainern die Hunde über Köpfchen statt Muskeln ausbilden), Büchern, Foren und Emailkontakten, ich war unaufhaltsam auf dem Weg.

Es war nur noch ein kleiner Schritt, bis auch andere Halter in unserer direkten Umgebung die Veränderungen bei mir und Lena bemerkten. In der nachfolgenden Zeit war ich ehrenamtlich als Helfer unterwegs und ich habe eine Menge gelernt, besonders über Tierhalter.
1999, Banja war zwischenzeitlich mit eingezogen und ich probte mich als Mehrhundehalterin, wurde ich ermutigt ein Gewerbe anzumelden. Ich traute mich und erinnere mich auch heute noch gerne an meine 1. Zeitungsannonce :). Keinerlei Rückmeldung. Erst durch die Zusammenarbeit mit einer Tierarztpraxis kamen die Kunden. Eine aufregende Zeit in der ich mehr Abende bei fremden Menschen verbrachte als bei meiner eigenen Familie. 

2001 bekam ich die Möglichkeit auf einem Grundstück zu trainieren und die Gruppenarbeit nahm ab sofort einen großen Teil meiner Tätigkeit ein. Ich fuhr weiterhin auf Seminare und Workshops und durfte Erfahrungen in den unterschiedlichen Sportarten sammeln. Mit dem Jahr 2002 steigerte ich auch meine Aktivitäten eigene Vorträge und Seminare zu halten.

Im Frühsommer 2003 kam Bine als neue Herausforderung zu uns nach Hause und vervollständigt seitdem unser Hunderudel. Jetzt zu Beginn des Jahres 2005 wage ich einen neuen Schritt und mache mich selbständig mit der Osteroder Haustier Akademie.

Wenn ich in all diesen Jahren etwas gelernt habe, dann, dass es ein großer Nachteil ist, dass das Berufsbild des Hundetrainers, Verhaltenstherapeuten oder Hundedolmetscher nicht staatlich anerkannt ist. Es tummeln sich wirklich unglaublich viele schwarze Schafe auf dem Markt, die fürchterliche Schäden bei Menschen aber häufiger noch beim Tier anrichten und dafür Geld kassieren. Viele Tierhalter geben die Verantwortung für ihr Tier mit dem durchschreiten der Pforte, an den Trainer ab. Einmal einen Ausbilderschein zu machen und die nächsten 30 Jahre mit diesem spärlichen Wissen zu trainieren, kann und darf  einfach nicht sein. Ein Trainer sollte mehr parat haben als einen Plan A. Hunde sind Individuen und sie benötigen individuelle Lösungsansätze. Wenn bei diesen Lösungsansätzen Gewalt eine Rolle spielt, spiegelt das nur die Hilflosigkeit des Trainers.

Wenn ich mir aber auf der anderen Seite überlege, dass ein großer Verband oder Zusammenschluss von Hundefachleuten künftig über das Berufsbild eines Hundetrainers oder Verhaltensberaters entscheidet, wird mir auch nicht wohl ums Herz. Ich möchte auch weiterhin viele verschiedenen Kollegen hören und bei der Arbeit sehen und aus diesen Eindrücken für mich mitnehmen, was ich umsetzen kann.

Menschen die ich bewundere und deren Einfluss sich ständig in meiner Arbeit wieder spiegelt möchte ich abschließend benennen. Was wären die Tiere dieser Welt ohne Euch ?

Martin Pietralla
Birgit Laser
Karen Pryor
Turid Rugaas
Sheila Harper
Ute Blaschke-Berthold
Barbara Schöning
Renate Jones-Baade
Ann Lil Kvam
Anders Hallgren
Jean Donaldson
Sabine Winkler
Viviane Theby
Michaela Hares

Anke Lehne
Pia Gröning
Alex Putz
Sabine Friedrich
Christina Sondermann
Maria Hense
Swanie Siemon

und viele andere. Ich danke Euch.
In diesem Sinne, mit tierischen Grüßen,
Dagmar